«Monitoring lässt erkennen, wie gut ein Gebäude performt»
Interview mit Maximilian Schaffrinna, BSc Energie- und Umwelttechnik, Projektleiter Monitoring und Elektrotechnik bei Minergie, Referent beim Kurs Monitoring und Optimierung im Gebäudebestand am 15. September 2026 in Olten.
Das Minergie-Modul Monitoring ist seit September 2020 auf dem Markt. Es handelt sich um eine qualitätsgeprüfte Gesamtlösung, die den Stromverbrauch von Wärmepumpen, die Erträge von Photovoltaikanlagen und die Wärmeflüsse im Gebäude misst. In welchem Zusammenhang steht es mit den Minergie-Baustandards?
Beim Minergie-Modul Monitoring handelt es sich um eine gesamtheitliche Monitoring-Lösung, die Minergie zusammen mit Monitoring-Anbietenden aus dem Markt entwickelt hat. Die Monitoring-Anbietenden übernehmen dabei das Messen und haben eine Schnittstelle zur Minergie-Datenbank, in welcher die Messdaten mit den Planwerten – Monitoring+ genannt – aus dem Minergie-Nachweis verglichen werden. So lässt sich sehr schnell erkennen, wie gut das Gebäude performt. Diese Auswertung bildet die Grundlage für das neue Zertifikat Minergie-Betrieb, dass effizient betriebene Gebäude auszeichnet.
Lässt sich durch die Messungen und die Vorschläge einen Trend erkennen, wo respektive weshalb Effizienzeinbussen auftauchen?
Die meisten Auffälligkeiten ergeben sich durch nicht optimal eingestellte Regelungsparameter. Beispielsweise werden die Heizkurven der Wärmepumpen nicht korrekt ans Gebäude angepasst. Häufig sind auch Elektroheizstäbe zur Warmwassererwärmung nicht gut eingestellt, was zu erhöhtem Verbrauch führt. Auch Photovoltaik-Anlagen und Speicherbatterien, die aus verschiedenen Gründen nicht den erwarteten Ertrag liefern, sind uns im Monitoring bereits aufgefallen.
Hat sich das Monitoring in den vergangenen sechs Jahren aufgrund neuer Erkenntnisse oder technischer Entwicklungen verändert?
Durch die zunehmende Standardisierung des Messwesens hat sich aus technischer Sicht einiges vereinfacht, die Lösungen sind kostengünstiger geworden. Ausserdem bieten immer mehr Geräte Schnittstellen, um Betriebsdaten einfacher verfügbar zu machen. Das zunehmende Angebot an IoT-Messmitteln birgt ebenso ein grosses Potenzial für die Zukunft.
Und wie steht es mit der Gesetzgebung? Grenzt sie den Begriff Monitoring adäquat ein? Oder bräuchte es noch zusätzliche Präzisierungen oder Bedingungen, damit die Vorzüge des Monitorings optimal zum Tragen kommen?
In der Gesetzgebung ist das Monitoring im Bereich der Wohnbauten noch zu wenig vertreten. Hier wäre es grossartig, wenn das Monitoring und die damit verbundenen Optimierungsmassnahmen noch mehr gefördert werden würden und wir unnötigen Mehrverbrauch so weit wie möglich vermeiden können.
(Bild: Minergie)