Full House im Switzerland Innovation Park Biel/Bienne – Rückblick auf den Tageskurs Energiespeicher!
Am 17. Juni 2026 veranstaltete der energie-cluster.ch im Switzerland Innovation Park Biel/Bienne (SIPBB) einen umfassenden Tageskurs zum Thema Energiespeicher. Der Kurs betonte die zentrale Rolle von Speichern für die Energiewende, da diese die Flexibilität erhöhen, das Netz stabilisieren und eine effiziente Nutzung von Eigenenergie ermöglichen.
Grundlagen & Technologien
Nach der Begrüssung durch Frank Schürch, den Geschäftsleiter des energie-cluster.ch, eröffnete Viktor Hangartner von der Berner Fachhochschule den Tag mit einem detaillierten Blick auf die Rolle von Speichern im schweizerischen Energiesystem.
Er zeigte anhand von komplexen Energiesystemmodellen auf, dass Batteriespeicher für das Netto-Null-Ziel bis 2050 weltweit massiv ausgebaut werden müssen, und beleuchtete die Entwicklungsstände von Kurz- und Langzeitspeichern in der Schweiz.
In den anschliessenden Kurzpitches stellte Claudio Carbone von Neoom verschiedene Batteriespeicherlösungen vor. Er legte eindrücklich dar, dass "Multi-Use"-Konzepte, welche beispielsweise Eigenverbrauchsoptimierung und Peak Shaving geschickt kombinieren, zwar die Wirtschaftlichkeit eines Speichers erhöhen, gleichzeitig aber auch die Komplexität und den Verschleiss der Anlagen steigern.
Danach präsentierte Timon Wanzenried von der B-Solartec AG Eis- und Erdsysteme als saisonale thermische Speicher. Er betonte, dass bei der Nutzung von Erdwärmesonden eine technische Regeneration, etwa durch Hybridsolarkollektoren, zwingend notwendig sei, um ein langfristiges Auskühlen des Bodens zu verhindern, während Eisspeicher die enorm hohe Energie im Phasenübergang von Wasser zu Eis effizient nutzen.
Josef Timoteo Jenni von Jenni Energietechnik komplettierte diesen Block mit dem Thema Wärmespeicher. Unter dem Leitsatz, dass die Energiewende vor allem eine Speicherfrage sei, zeigte er grossvolumige "Swiss Solartanks" und Power-to-Heat-Lösungen, welche überschüssigen Photovoltaik-Strom in Form von Wärme für Gebäude, Landwirtschaft und Industrie speicherbar machen.
Rahmenbedingungen & Planung
Der Themenblock zu Rahmenbedingungen und Planung startete mit Leo-Philipp Heiniger vom Bundesamt für Energie (BFE), der die aktuellen regulatorischen Entwicklungen beleuchtete. Er erklärte die neuen gesetzlichen Bestimmungen zur Befreiung und Rückerstattung des Netznutzungsentgelts für Speicher ab 2025 und 2026 sowie die ab 2027 geplante dynamische Abnahmevergütung an den Strombörsen.
Anschliessend nahm sich Christian Renken von der CR Energie GmbH dem sensiblen Thema Sicherheit und Brandschutz an. Er entkräftete generelle Bedenken mit der Statistik, dass die Brandwahrscheinlichkeit von Batteriespeichern fünfzigmal geringer sei als bei herkömmlichen Haushaltsgeräten, und erläuterte die brandschutztechnischen Vorteile von Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP), welche im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien keine unkontrollierte Kettenreaktion (Thermal Runaway) aufweisen.
Im Anschluss sprach Maike Schubert von SmartGridReady über die Rolle von Batterien im Stromnetz. Sie verdeutlichte die gewaltige Herausforderung, künftig 40 Gigawatt Solarstrom in ein eigentlich auf 10 Gigawatt ausgelegtes Netz zu integrieren, wofür dringend smarte Lösungen, dynamische Tarife und harmonisierte Schnittstellen zur Nutzung dezentraler Flexibilitäten benötigt werden.
Wirtschaftlichkeit & Umsetzung
Am Nachmittag rückten Wirtschaftlichkeit und Umsetzung in den Vordergrund, beginnend mit Markus Streit von Gerber Energietechnik, der konkrete Praxisbeispiele für Gebäude, Areale, lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) und Netzgebiete vorstellte. Er demonstrierte an erfolgreich umgesetzten Projekten wie einem Autohaus mit Schnellladestationen oder Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (ZEV), wie intelligente Energiemanagementsysteme Bezugs- sowie Einspeisespitzen zuverlässig begrenzen und den Autarkiegrad im Jahresverlauf maximieren.
Lukas Rütti von Investerra widmete sich im Folgenden der Finanzierung von Stromspeichern. Er analysierte verschiedene Geschäftsmodelle wie Systemdienstleistungen, Peak Shaving oder Arbitrage im Hinblick auf deren Ertragssicherheit und bewertete die damit verbundenen Risiken für Investoren.
Matthew Rezek von Green Energy Venture führte dieses Thema mit einem Beitrag zur strukturierten Fondsfinanzierung weiter. Er präsentierte Konzepte für eine zirkuläre Projektökonomie, welche durch standardisierte Infrastrukturinvestitionen in Grossbatterien und aktives Asset Management finanzielle und regulatorische Risiken in allen Projektphasen minimieren sollen.
Betrieb, Nachhaltigkeit & Zukunft
Im abschliessenden Block über Betrieb, Nachhaltigkeit und Zukunft zeigte Felipe Barbero von Solstis Energy AG auf, worauf es bei Betrieb und Unterhalt von Speichersystemen ankommt. Er skizzierte präventive Strategien für das Monitoring und die Wartung, um durch detaillierte Telemetrie- und Zustandsanalysen die Lebensdauer der Systeme aktiv zu verlängern und zu optimieren.
Daraufhin referierte Christian Ochsenbein (SIPBB, IBAT) über die Kreislaufwirtschaft und das Recycling von Batterien. Er wies darauf hin, dass durch die lange Lebensdauer heutiger Systeme erst in etwa 15 Jahren mit grossen Mengen ausgedienter Elektroauto-Batterien zu rechnen sei, und beschrieb die teils enormen technischen Hürden bei der automatisierten Demontage, die durch stark verklebte Strukturen und eine immense Modellvielfalt bei den Herstellern entstehen.
Viktor Hangartner bereitete die Teilnehmenden ganz zum Abschluss auf die Führung durch das Batterietestlabor der Berner Fachhochschule vor. Dort erforscht das Swiss Battery Technology Center unter anderem komplexe Themen der Batteriemodellierung und der direkten Materialrückgewinnung.
Der informations- und detailreiche Kurstag endete schliesslich mit einem gemeinsamen Apéro und weiteren Möglichkeiten zum brancheninternen Networking an der begleitenden Tischmesse.
Ein herzlicher Dank geht an alle engagierten Referierenden für ihre spannenden Einblicke sowie an die zahlreichen Teilnehmenden für ihr reges Interesse. Sie haben gemeinsam mit der Berner Fachhochschule (BFH) als Partnerin massgeblich zum Gelingen dieses erfolgreichen Kurstages beigetragen!
Darüber hinaus gilt ein besonderer Dank unseren Sponsoren, namentlich Solstis Energy AG, Green Energy Venture, neoom, Solar Manager, Jenni Energietechnik, B-Solartec AG, Gerber Energietechnik und Investerra, deren wertvolle Unterstützung diese aufschlussreiche Veranstaltung in diesem Rahmen erst ermöglicht hat.