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Rückblick auf den Kurs PV-Fassaden an der HSLU Horw!

Photovoltaik

Die Fassade als aktives Element der Energieversorgung: Was lange als Nischenthema galt, rückt zunehmend ins Zentrum der Energiedebatte. Am 19. Mai 2026 versammelten sich an der HSLU in Horw Fachleute aus Planung, Architektur, Industrie und Forschung, um genau diese Frage aus allen Blickwinkeln zu beleuchten.

Zum Auftakt des Kurstags begrüsste Prof. Adrian Altenburger die Teilnehmenden und stellte die Hochschule Luzern sowie ihre Aktivitäten im Bereich Energie und Gebäudetechnik vor. Mit ersten Einblicken in die Bedeutung von PV-Fassaden für die zukünftige Energieversorgung führte er bereits zu Beginn ins Thema des Tages ein.

Politischer Rahmen und kantonale Ziele

Tobias Sommer, Fachspezialist erneuerbare Energien beim Kanton Luzern, eröffnete die Referatsreihe des Tages. Sein Thema: die Rolle der PV-Fassade im Energiesystem der Zukunft. Der Kanton Luzern hat sich 100 % erneuerbare Strom- und Wärmeproduktion bis 2050 zum Ziel gesetzt und Photovoltaik spielt dabei die Hauptrolle. Die kantonale Solarpotenzialkarte zeigt bereits heute, wo Fassaden besonders geeignet sind und welche einen überdurchschnittlichen Winterstromanteil von über 30 % liefern können. Genau das ist der entscheidende Vorteil von Fassadenanlagen: Sie produzieren Strom, wenn der Sonnenstand tief ist und horizontale Dachanlagen kaum leisten.

Die Förderstruktur des Bundes bietet attraktive Anreize: Fassadenanlagen profitieren von einem Neigungswinkelbonus, einem Winterstrombonus und je nach Standort von einem Parkflächenbonus zusätzlich zur regulären Einmalvergütung.

Guido Zurfluh, Regionalverkaufsleiter der 3S Swiss Solar Solutions AG, schloss daran an und beleuchtete die ökologische Dimension: Wie nachhaltig sind PV-Module über ihren gesamten Lebenszyklus? Und was passiert am Ende mit ihnen?

Planung und Architektur: Mehr als nur Technik

Jörg Rothenbühler von Emch+Berger Revelio AG führte durch die verschiedenen Projektphasen und machte deutlich, wo die typischen Stolpersteine liegen und wie man ihnen begegnet.

Dirk Kalmbach von Solarmarkt GmbH und Stefan Meijer von Wagner System AG teilten sich einen Vortrag, der zeigt, wie eng Gestaltung und Technik bei PV-Fassaden verknüpft sind. Ihre Kernbotschaft: «Die sichtbare PV-Fassade entscheidet über die unsichtbare Unterkonstruktion.» Was der Architekt entwirft, legt fest, welche Tragstruktur dahinter möglich ist.

Samuel van Heerden von Megasol Energie AG rundete diesen Block mit einem ganzheitlichen Blick ab: Von ersten Designideen über die Detailplanung bis zur realisierten Fassade. Anhand konkreter Projekte wurde spürbar, wie gross der gestalterische Spielraum inzwischen geworden ist.

Die Mittagspause bot Gelegenheit zur Besichtigung einer Tischmesse sowie zum interessanten Austausch!

Brandschutz: Ein unterschätztes Thema mit klaren Regeln

Christian Renken von CREnergie GmbH machte deutlich, dass Brandschutz bei PV-Fassaden kein Randthema ist, sondern von Anfang an mitgedacht werden muss. Je nach Gebäudehöhe gelten unterschiedliche Anforderungen — und weil PV-Module die höchste Brandschutzklasse grundsätzlich nicht erreichen können, braucht es in vielen Fällen ein formelles Nachweisverfahren mit einem anerkannten Brandschutzexperten. Anhand eines Zürcher Wohnbauprojekts zeigte er, wie das in der Praxis funktioniert. Bis Ende 2026 soll ein neues Swissolar-Dokument den Stand der Technik vereinheitlichen und die Planung künftig erleichtern.

Renken beleuchtete anschliessend auch die wirtschaftliche Seite. Entscheidend ist dabei die richtige Vergleichsbasis: Bewertet wird nicht die gesamte Fassadeninvestition, sondern nur die Mehrkosten gegenüber einer konventionellen Lösung. Wie rentabel eine PV-Fassade letztlich ist, hängt vor allem vom Eigenstromverbrauch und den lokalen Stromtarifen ab: beides Grössen, die sich durch gute Planung gezielt beeinflussen lassen.

Von der Grobabschätzung zum Vorprojekt

Den Abschluss der Fachreferate übernahm Prof. Roger Buser von der HSLU, der die planerische Perspektive einnahm. Ein zentraler Grundsatz zieht sich durch seine Arbeit: Die Fassaden-PV-Anlage wird nicht dem Strombedarf des Gebäudes angepasst, sondern der Optik, dem Budget und zunehmend dem Winterstrombedarf.

Er zeigte anschaulich, wie sich der Energieertrag einer Südfassade über das Jahr verteilt und weshalb sie im Winter dem Flachdach überlegen ist. Kostspielige Fassaden wie Naturstein oder Glas werden über einen Zeithorizont von 30 bis 40 Jahren wirtschaftlich von gut geplanten PV-Fassaden eingeholt. Für die Planung gilt: früh entscheiden zwischen Standardmodulen, Kleinserien-Fassadensystemen und projektspezifischen Einzelprodukten, denn diese Wahl beeinflusst Statik, Lieferketten und Bewilligungsverfahren massgeblich.

Die Besichtigung des PV-Labors der HSLU zum Tagesabschluss gab den Teilnehmenden die Gelegenheit, all das Gehörte in einem realen Forschungsumfeld zu verankern. Der anschliessende Apéro liess den intensiven Tag in entspannter Atmosphäre ausklingen.

Fazit

Fassaden-PV ist längst keine Nischentechnologie mehr. Der Kurstag in Horw zeigte, wie weit die Technologie gereift ist und wie viele Disziplinen zusammenspielen müssen, damit eine gute PV-Fassade entsteht. Herzlicher Dank gilt allen Referierenden, Teilnehmenden und Sponsoren 3S Swiss Solar Solutions, Emch+Berger Revelio AG, Megasol Energie AG und Solarmarkt GmbH für ihr Engagement.