«Bei PV-Fassaden ist ein höherer Eigenverbrauch als bei Dachanlagen zu erwarten»
Interview mit Dr. Tobias Sommer, Fachspezialist erneuerbare Energien, Dienststelle Umwelt und Energie, Kanton Luzern und Referent am Tageskurs «PV-Fassaden» vom 19. Mai 2026 in Horw zum Thema «Die Rolle der PV-Fassaden im Energiesystem der Zukunft».
Wieviele Photovoltaik-Fassaden sind aktuell im Kanton Luzern aktiv. Weiss man es? Kann man es abschätzen?
Die Anzahl der Photovoltaik-Fassaden kennen wir aktuell nicht, da der Unterschied zwischen Dach- und Fassadenanlagen nicht systematisch erfasst wird. Bezüglich des Potenzials sind allerdings Zahlen bekannt. Im Kanton Luzern besteht ein Potenzial von 2’440 GWh auf Dächern und 810 GWh auf Fassaden, insgesamt etwa 3’260 GWh. Ein Viertel des Gesamtpotenzials entfällt damit auf die Fassaden.
Ist bekannt, was im Energiesystem der Gegenwart mit dem gewonnenen elektrischen Strom geschieht? Wird er sofort gebraucht, in Batterien zwischengespeichert oder ans Netz abgegeben?
Das Klima- und Energiedashboard des Kantons Luzern zeigt, dass im Jahr 2024 490 GWh Strom durch PV produziert wurden. 290 GWh wurden ins Netz eingespiesen. Die verbleibenden 200 GWh entsprechen dem Eigenverbrauch. Der Eigenverbrauchsanteil ist demnach etwa 40 %. Wieviel vom Eigenverbrauch in Batterien zwischengespeichert wurde, wissen wir aktuell nicht.
Können Sie als Fachperson bestimmte Schlüsse aus der aktuellen Verwendungsart von Strom aus PV-Fassaden ziehen, welche der Zukunftsplanung dienen?
Wie oben erwähnt, haben wir keine Daten bezüglich Fassaden-PV und damit auch nicht darüber, wie der Strom verwendet wird. Da Fassadenanlagen im Vergleich zu Dachanlagen tendenziell eher dann Strom produzieren, wenn er auch gebraucht wird, ist ein höherer Eigenverbrauchsanteil im Vergleich zu Dachanlagen zu erwarten.
Was unternimmt der Kanton Luzern heute, um die Erstellungsrate von PV-Fassaden zu steigern?
Seit 01.01.2026 sind Fassadenanlagen, ähnlich wie Dachanlagen, bundesweit unter bestimmten Bedingungen nicht mehr baubewilligungspflichtig, sondern lediglich meldepflichtig. Das kantonale Merkblatt Solaranlagen wurde entsprechend angepasst. Auch von der oben erwähnten «Winterstromkennzeichnung» auf der kantonalen Solarpotenzialkarte erwarten wir eine Zunahme von Fassadenanlagen.
(Bild: Kanton Luzern)