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Power-to-X Kongress Schweiz 2026: Der «Reality Check with Net Zero» im Kursaal Bern

Power-to-X Kongress Schweiz 2026: Der «Reality Check with Net Zero» im Kursaal Bern

Erstmals gemeinsam durchgeführt von energie-cluster.ch und dem Swiss Power-to-X Collaborative Innovation Network (SPIN) in Zusammenarbeit mit dem H2 Réseau, brachte der nationale Kongress am 22. September 2026 rund 140 Fachleute aus Industrie, Forschung, Verwaltung und Politik im Kursaal Bern zusammen.

Das zentrale Fazit des Tages: Die Technologien funktionieren – entschieden wird jetzt über Finanzierung, Regulierung und Importlogik.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

  • ETH Zürich (Gianfranco Guidati): Wasserkraft, Photovoltaik und Wind bilden die Basis. Importe sind Teil der kostenoptimalen Lösung, doch eine moderate Schweizer Produktion von eFuels (im Mix mit biomassebasierten Verfahren) ist sinnvoll. Wasserstoff wird vor allem für die Synthese flüssiger Brenn- und Treibstoffe genutzt.
  • VSG (Boris Krey): Erneuerbare Gase sind unersetzlich für Hochtemperatur-Prozesse, Versorgungssicherheit und als saisonaler Speicher. Krey kritisierte die Zurückhaltung des Bundes bei Wasserstoff-Transitleitungen – die Verfügbarkeit erneuerbarer Gase wird zum entscheidenden Standortfaktor.
  • Fraunhofer ISE (Achim Schaadt): Deutschland rechnet 2030 mit einem enormen Wasserstoffbedarf, wovon 50 bis 70% importiert werden müssen. Im eFuel-Markt ist Methanol mit Abstand der Frontrunner; Pipeline- und maritime Importe ergänzen die Versorgung.
  • JSC Automotive (Jochen Siebert): China hat die Pilotphase für grünen Wasserstoff hinter sich und geht in die Massenproduktion von Power-to-X in Verbundanlagen über, um Erdöl und Erdgas in schwer elektrifizierbaren Sektoren abzulösen.
  • Porsche Consulting (Lukas Hoffmann): Weltweit sind 20 Milliarden Liter eFuels angekündigt, aber erst 6% haben eine finale Investitionsentscheidung. Die Schweiz hat dank der Anrechenbarkeit von eFuels auf die CO₂-Flottenziele der Autoimporteure einen echten Marktvorsprung.

World Café: Vier zentrale Handlungsfelder

Am Nachmittag erarbeiteten die Teilnehmenden in sieben Themenstationen konkrete Forderungen:

  1. Infrastruktur nutzen: Bestehende Gasnetze und Pflichtlager dürfen nicht abgebaut, sondern müssen für Power-to-X genutzt werden.
  2. Finanzierungslücke schliessen: Das sogenannte «Valley of Death» (Skalierung von TRL 4 bis 8) muss in der Schweiz finanziell überbrückt werden.
  3. Märkte aktivieren: Konsumenten und Offtaker müssen bereit sein, die notwendigen Investitionen mitzutragen.
  4. Internationale Vernetzung: Die Schweiz braucht strategische Partnerschaften und muss ihren Anschluss an den European Hydrogen Backbone sichern.

Aus der Praxis: Aviation und Industrie

  • easyJet (Jean-Marc Thévenaz): Die Sustainable Aviation Fuel (SAF)-Beimischpflicht gilt seit 2026 auch in der Schweiz. Die Airline setzt auf Flottenerneuerung, operative Effizienz, SAF und langfristig auf CO₂-Entnahme sowie Wasserstofftechnologien.
  • Metafuels (Saurabh Kapoor): Das Adliswiler Start-up hat die ASTM-Zertifizierung für sein Methanol-to-Jet-Verfahren abgeschlossen und baut in Rotterdam eine erste kommerzielle Anlage. Die Schweiz dient dem Unternehmen dank erfahrener Fachkräfte als idealer Standort.
  • OST (Markus Friedl): Grünes Methanol verbindet hohe Energiedichte mit tiefen Speicherkosten und eignet sich perfekt als saisonaler Energiespeicher sowie Rohstoff. Erste Schweizer Pionierprojekte wie das Flagship «GreenHub» in Horgen sind bereits im Gange.

Abschlussforderungen: Das Parlament ist am Zug

In der finalen Podiumsdiskussion betonte Nationalrat Martin Bäumle, dass die gesetzlichen Grundlagen im Klima- und CO₂-Gesetz stehen – was fehle, sei eine gesetzeskonforme Umsetzung auf Verordnungsstufe, die den Willen des Parlaments widerspiegelt (SPIN hat im Juli 42 konkrete Blockaden dokumentiert).

Peter Metzinger (SPIN) und Frank Schürch (energie-cluster.ch) zogen ein positives Fazit: Der gemeinsame Kongress hat den branchenübergreifenden, sprachregionen-verbindenden Treffpunkt geschaffen, den die Schweiz für den Erfolg der Energiewende braucht. Die Ergebnisse werden direkt in die politische Arbeit getragen.

Bildersammlung Power-to-X Congress Switzerland 2026

Ds C02290
Ds C02256
Ds C02311
Ds C02331
Ds C02352
Ds C02415